Unser Verein wurde im Jahr 1908 gegründet und gehört mit über 100 Mitgliedern (davon sind etwa die Hälfte Kinder und Jugendliche) zu den größten Schachvereinen in Rheinland-Pfalz. Mit insgesamt 9 Mannschaften und mehreren Mannschaften in der Nachwuchsliga nehmen wir aktiv am Spielbetrieb teil. NEUGIERIG geworden? Egal wie alt, egal ob Anfänger oder erfahrener Vereinsspieler - scheuen Sie sich nicht, mit uns Kontakt aufzunehmen! Unser Spielabend findet samstags ab 15 Uhr (Jugend und Erwachsene) bzw. ab 17 Uhr (Erwachsene) im Otto-Hahn-Gymnasium (Eingang blaues Tor in der Langstraße) statt.

Spielbetrieb Jugend 18/19

Spielbetrieb Frauen 18/19

Zwoote feiert Kantersieg und verbleibt in der 2. Rheinland-Pfalz-Liga

Vom sofortigen Wiederaufstieg in die 1. Rheinland-Pfalz-Liga träumte LD II zu Beginn der Saison; nach einer Reihe von Remisen gegen deutlich schwächere Mannschaften und knappen Niederlagen gegen die (einstigen) Mitfavoriten war dieser Traum jedoch bald ausgeträumt. In der sechsten Runde (26. Januar 2020) setzte es beim Klassenprimus Frankenthal wieder einmal ein knappes 3,5:4,5, das wieder einmal mit Blick auf den Wettkampfverlauf durchaus unglücklich genannt werden konnte. Was blieb: Das Gespenst vom erneuten Abstieg zu bannen. Die Gelegenheit dazu bot sich nun am 16. Februar, als „der etwas andere Verein“ in der Südpfalz zu Gast war. Ein Verein, dessen Name nach Safran, rheinhessischem Riesling und Granatapfel schmeckt und dabei im Abgang eine romantisch-arbeiterbewegte Note entfaltet: Vorwärts Orient Mainz. Für die Hauptstädter (ø 1899), aktuell Vorletzte, musste gegen Landau II (ø 2067) unbedingt ein Sieg her, wollte man der Abstiegszone entkommen. Ein heißer Klassen(erhaltungs)kampf war zu erwarten!

Der Mannschaftskampf begann allerdings recht friedlich, denn Rolf Bernhardt (2137) an Brett 2 (gegen Paul Perske, 2057), Dieter Schatz (2080) an Brett 5 (gegen Stefan Flackus, 1858) und Nico Kopp (2020) an Brett 6 (gegen Christian Müller, 1873) einigten sich mit ihren Gegnern auf – durchweg umkämpfte – Punkteteilungen, wobei Nico zwischenzeitlich sogar ein Remisangebot abgelehnt hatte. – 1,5:1,5.

Ein Start mit drei Remisen war kein Beinbruch, denn dass es an Brett 8 einen Landauer Sieg geben würde, war den Kundigen schon früh klar. Es gibt nämlich Stellungstypen, die Dr. Peter Fischer (1837) mit beinahe der gleichen schlafwandlerischen Sicherheit behandelt wie einst sein etwas bekannterer Namensvetter. Der Leidtragende war Peter Binner (1783), der bei seiner Eröffnungswahl wohl noch an einen offenen Schlagabtausch geglaubt hatte:

Tja, das Wettrennen der Bauern bei heterogenen Rochaden sieht hier einen klaren Sieger, doch deshalb musste man nicht gleich zu 19…g6?? greifen, worauf natürlich 20.Dh2! mit Gewinnstellung folgte. Schwarz versuchte noch tapfer 20…Lxg5!? (der einzige Zug, bei dem Schachprogramme nicht gleich ein Matt in acht Zügen oder weniger auswerfen) – Peter ließ sich die Butter aber nicht mehr vom Brot nehmen – 2,5:1,5.

An Brett 7 gab bei den Gästen der aufstrebende Jugendspieler Bastian Henry (1566, aber bereits DWZ +73 in dieser Saison!) sein Debüt in der ersten Mannschaft. Bei der obligatorischen Begrüßung machte er darauf aufmerksam, dass ein Brett falsch ausgerichtet war – keine gute Idee, denn nun war sein Gegner, der Landauer Mannschaftsführer Tobias Grenz (1944) natürlich besonders motiviert, genau hier und heute seinen ersten Saisonsieg einzufahren. Entsprechend früh drang die besonders motivierte schwarze Dame in das Lager des Anziehenden ein, doch als Tobias die Entwicklung seines Königsflügels vernachlässigte, bot sich dem Mainzer Jugendlichen eine goldene Gelegenheit:

In der Landauer Analyserunde schätzte man nach der Partie hier 13.Ke2 als besten Zug ein und erkannte mit den Ideen Tc1 und Sb3/d4 deutlichen weißen Vorteil. Dabei übersah man allerdings die Möglichkeit 13…d4! 14.Lf2 Lxd3+! 15.Dxd3 Dxa1, wonach 16.Db5+ Kd8 17.c6 Dxa2 18.Sgf3 Da6 halten sollte (sofort 13…Lxd3+ funktioniert übrigens nicht – den Unterschied bitte selber finden!). Mit sofort 13.Sgf3! Lxd3 14.Tc1! Da3 15.Db3 erreicht Weiß aber eine angenehme Stellung. Auf die Partiefortsetzung 13.Db5+? folgte hingegen 13…Ld7 und nach 14.Db1?? (14.Se2! Dxa1 15.Dxd7+! ist noch spielbar) ging mit 14…d4 sogar eine ganze Figur verloren. Wie schon Peter vor ihm, so ließ auch Tobias keine Schwindelchancen mehr zu und erhöhte auf 3,5:1,5.

Um sich auf den an Brett 4 erwarteten Mainzer Grünfeld-Spezialisten Andreas Wissemann (1901) vorzubereiten, traf sich Dr. Wolfgang Grünstäudl (2134) mit dem Landauer Grünfeld-Spezialisten zum Sparring-Abend. Unterhaltsam war’s (Danke, Rainer!), doch im Laufe des Abends galt es, beim Blitzen zahlreiche bittere Niederlagen gegen Grünfeld einzustecken (einmal schon nach elf Zügen!), die auch durch den vom Gastgeber kredenzten Gewürztraminer nicht versüßt werden konnten. Im Mannschaftskampf erntete Wolfgang nun den Lohn für diese Mühen, denn sein Anti-Grünfeld-Plan ging voll auf und erlaubte eine Partie aus einem Guss:

Damen getauscht, Dynamik aus der Stellung gesaugt, lästiger Druck auf der langen Diagonalen – so wird dem aktiv gesinnten Nachziehenden die Freude genommen. Der weiße Vorteil ist freilich nur minimal, doch Schwarz muss sorgsam spielen, um Ausgleich zu erreichen. 17…Tb8 18.Tfc1 Td8 19.Tc7 Kf8 (nebst 20…Se8) war der richtige Weg, mit 17…a5?! 18.Tfc1 Tb8?! (besser vermutlich noch 18…a4) erlaubte sich Schwarz zwei Ungenauigkeiten zuviel, sodass Wolfgang mit 19.Tc7 e6 20.Td1 seinen Vorteil sukzessive vergrößern und schließlich sicher zum Mannschaftssieg verwerten konnte – 4,5:1,5.

Den vierten Landauer Sieg errang Björn Kopp (2227) an Brett 1 gegen Alexander Scholz (2102), wobei Björn wieder mit betont konkretem Schach auffiel. Mächtig stolz war das Spitzenbrett der Zwooten darauf, in der folgenden Stellung…

… den Zug 12…Kd7! gefunden zu haben. Zurecht! Wenn man nicht gerade ein Programm ist, fällt es schwer, mit Björn kaltblutig zu urteilen: „Deckt c7 und bereitet 13…Ld6 vor!“ und 13.Lf5+ als das zu sehen, was es ist: Nur ein Schach. Der Anziehende hielt dennoch lange Zeit gut mit, verleibte sich dann aber zu hastig einen zuvor geopferten Bauern ein:

Weiß muss hier unbedingt die künstliche Rochade mit 17.Thd1 oder 17.The1 vorantreiben – der Bauder d4 läuft ja nicht weg –, denn nach 17.Sfxd4? Tce8+ 18.Kf1 Sxd4 19.Sxd4 Thf8 20.Te1 Se4 blieb er mit einer eingeklemmten Stellung zurück. Der entscheidende Materialgewinn folgte nicht allzu lange später:

Weiß konnte den h-Turm befreien, doch angesichts des versprengten Springers auf a5 ist immer noch keine harmonische Figurenaufstellung erreicht. Mit 27…b6! (27…Tf7 28.Td1! und die Drohung 29.Sxc4+ verschafft Weiß etwas Luft) 28.Sc6? (besser 28.Sb7+ Kd7 29.Te5 Sc7 30.Te7+ Kc8) 28…Sf4! war eine Qualität dahin, die Björn verwertete, ohne noch in eine Springergabel zu laufen – 5,5:1,5.

Den passenden Schlusspunkt zu einem rundum gelungenen Mannschaftskampf setzte Johannes Vogel (2153), der es an Brett 2 gegen Georg Regis (2054) zuerst mit dem Carlsen-Motto „Mit Schwarz gegen Schwächere ein wenig unsolide, damit sich Gewinnchancen einstellen!“ ein wenig übertrieb und sich schließlich bei äußerst geringer Restbedenkzeit in einem unangenehmen Endspiel wiederfand. Um Gegenspiel zu kreieren gab Jo einen Bauern, verpasste dann aber eine gute Gelegenheit:

Mit dem aktiven 58…Te4! 59.c5 bxc5 60.Kxb2 Tb4+ 61.Kc3 Tb5 konnte Schwarz hier ausgleichen, da auch 59.Ld4 Txf4 Weiß nichts verspricht. Nach 58…Tc7?! 59.c5 war hingegen Weiß wieder am Drücker. Doch auch wenn sein Mainzer Gegenüber voller Zuversicht Figuren und Uhr energisch bediente, gab es für Jo weiterhin nur eines: ¡No pasarán! Mit weniger als einer Minute Zeit auf der Uhr führte er seine Züge mit stoischer Ruhe aus und fand Ressource um Ressource. Als der weiße König von b2 nach f3 rannte, nur um sogleich wieder genau dorthin zurück zu kehren, war klar, dass die Operation „Vorteilsverwertung“ nicht ganz so glatt lief, wie sich das der Anziehende vorgestellt hatte. Und schließlich folgte der entscheidende Fehler:

Mit 77.f3! erreicht Weiß eine Zugzwangposition: a) 77…Sd7 78.Kxb3, b) 77…Kc4 78.f5 Kd5 79.f4 und vor allem c) 77…Ke6 78.Kb2! Kd5 79.Kc3 Ke6 80.Kc4! b2 81.Lxb2 Kxd6 82.La3 (der feine Unterschied zur Partiefortsetzung). Nach 77.Kb4? b2! 78.Lxb2 Kxd6 79.Kc4 Se4 80.Ld4 Ke6 81.Kd3 Kf5 ist hingegen Schwarz am Ziel: Der d-Bauer fällt, der schwarze König kann die weißen f-Bauern auf einem weißen Feld blockieren und der Springer hüpft fröhlich über das Brett. Doch das war noch nicht die letzte Pointe:

In dieser nicht ganz unbekannten Stellung streckte der Mainzer (am Zug!) wortlos die Hand über das Brett. Auf Jos verwunderten Blick (In etwa: „Will er jetzt aufgeben?“) folgte die zerknirschte Erläuterung „Ist ja remis!“ Freundlich, wie man in Landau ist, wurde das als Remisangebot gewertet, in die ausgestreckte Hand eingeschlagen und die Partie mit der Punkteteilung beendet – 6:2.

Auch wenn möglicherweise in dieser Saison zwei Teams aus der 2. Rheinland-Pfalz-Liga absteigen, so ist mit diesem Erfolg bei noch zwei zu spielenden Runden der Klassenerhalt de facto gesichert: Die Zwoote wird noch punkten (versprochen!) und Spitzenreiter Frankenthal wird in der Schlussrunde nicht ausgerechnet gegen Vorwärts Orient Mainz Punkte abgeben. Ob Frankenthal (6:2 in Bellheim) allerdings in der nächsten Runde seine weiße Weste behält und damit vorzeitig Meister wird, lässt sich nicht sagen, denn da trifft man sich mit der zweiten Spitzenmannschaft Kaiserslautern (7:1 gegen Lambsheim) zum mit Spannung erwarteten Titelduell. Landau II kann man erst wieder in der nächsten Saison beim Heimspiel bewundern/unterstützen, denn nun geht es noch nach Bann sowie zur zentralen Endrunde nach Lambsheim. Daumen drücken ist trotzdem erlaubt!

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