Liebe Freunde der schemenhaften Unterhaltung,
letzten Sonntag stand die letzte Runde der Rheinland-Pfalz-Ligen an. Unser Flaggschiff aka Landau I hatte das eminent wichtige "Endspiel" gegen die Schachfreunde aus Mainz vor der heimischen Brust. Die Tabellenkonstellation riet uns zum Sieg, ansonsten könnte der unmittelbare Gang in die unendlichen Weiten der tieferen Liga drohen. Vor dem Spiel gegen den Tabellennachbarn standen wir hauchdünn über dem Strich auf Rang 6 vor drei punktgleichen Teams auf den Abstiegsrängen 7, 8 und 9. Heilig's Blechle!
Landau trat gut an. Nominell. Gar besser als der Gegner. Nominell.
Es spielten:
Brett 1: André (s) - O.Vrancky (2157)
Brett 2: Björn (w) - C.Bauer (2079)
Brett 3: MF Daniel (s) - J.Neurohr (2001)
Brett 4: Jonas (2068) - C.Gitsis (2040)
Brett 5: Gerhard (s) - C.Gieringer (1877)
Brett 6: Torsten (w) - J.Burkhardt (1866)
Brett 7: Dieter (s) - Y.Hrytseniuk (1948)
Brett 8: Yannick (w) - J.Schneider (1923)
Klares Ding, sagt die app! 127 DWZ im Schnitt mehr als der/die Gegner, das ist schon eine Hausnummer. Aber wir spielten wie die Neureichen!
MF Daniel gab vor dem Spiel die Taktik vor: "André, Björn, Yannick und Torsten gewinnen, der Rest remis". Guter Plan das!
Zuerst war André fertig. Er bekam relativ früh in minimal merkwürdiger Stellung ein Remisangebot vom 14jährigen RLP-Meister Oscar Vrancky rein und fragte brav nach, bevor das Angebot angenommen wurde. War bis dahin nicht viel passiert, daher in Ordnung!
0,5 : 0,5
Die Stellungen ent- oder verwickelten sich dann. Dieter war gut! Vorteile auf dem Damenflügel, Stützpunkte auf dem Königsflügel. Passt! Daniel war nicht gut! Passive Züge in passiver Stellung. Schaut merkwürdig aus! Gerhard war auch nicht wohl in seiner Haut, bot remis an, was aber abgelehnt wurde. Björn nach 2 Zügen (vielleicht auch ein paar mehr) schon dodal unübersichtlich, gefühlt aber drei Grad wärmer. Jonas opferte die Qualität für zwei verbundene Freimöpse ohne die Kontrolle zu verlieren.
Unnu?
Die Zeit ging ins Land und die Hauptstädter spielten uns fast überall schwindlig! Torstens Stellung wurde immer schlechter, auch hier wurde ein Remisangebot abgelehnt. Yannicks mikronesischer Vorteil hatte sich verflüchtigt. Björns Stellung kippte zu pfälzischen Ungunsten, was unseren zweifachen Neu-Papa zu einem Remisangebot veranlasste, was ausnahmsweise auch angenommen wurde.
1 : 1
Gerhard lief mit seinem König in die Mitte. Da steht er sicherer. Also vielleicht. Oder hoffentlich! Daniel und Torsten bekamen je einen Bauern abgenommen. Einfach so. Die beiden sind ja fantastische Spieler, aber ob das als Kompensation reicht? Dieter war immer noch gut! Der Festung auf dem Königsflügel folgte das heftige Anklopfen auf dem weissen Damenflügel. Jonas kam irgendwie nicht weiter, die beiden Bauern waren blockiert. Yannick wickelte in ein Turmendspiel ab und bekam souverän sein remis.
1,5 : 1,5
Habt Ihr aufgepasst? Drei Partien, die laut obiger Taktik gewonnen werden sollten/könnten, waren nun fertig :)
Und die lustige Hopplerei ging weiter!
Dieter, der einzige Landauer mit bis zum vorletzten Zug vernünftiger Leistung, gab plötzlich auf. Mattdrohung übersehen. Fack!
1,5 : 2,5
Etwa zu diesem Zeitpunkt bekam unser ramponiertes Flaggschiff Besuch aus den USA: Henning war da und traute seinen Augen kaum! Torsten landete im Minusbauerdamenendspiel in der Hoffnung auf Dauerschach. Jonas verzettelte sich, übersah eine schnöde Fesselung und begann mit offenem König zu denken. Daniel war im hoffnungslos breitbeinigen Turmendspiel. Wenigstens Gerhards König stand dann doch recht sicher im Zentrum!
Im Gefühl des sicheren Mannschaftssieges (oder weil er nicht weiter kam) bot Torstens Gegner mit Immernochmehrbauer remis an. Ohne einen einzigen aktiven Zug nahm unser Ex-Spitzenbrett an und fragte sich, was genau da los war! Immerhin die "alten" Recken mal wieder getroffen. Nur das (eigene) Schachspiel hat heute gestört!
2 : 3
Kurz danach reichte Daniel seine MF-Kralle rüber. Starker Vortrag des Mainzer Altmeisters!
2 : 4
Und alle Landauer hatten nun denselben Gedanken: Hoch gewinnen wir das nicht mehr! Was danach passiert ist, entzieht sich meiner Kenntnis. Irgendwann lehnte Gerhard remis ab, das schien gut gelaufen zu sein. Und noch irgendwanner kam ein Mainzer rein und meinte, Jonas wäre 5zügig matt. Und noch mehr irgendwanner kamen beide Landauer rein und meinten, sie haben
gewonnen. Wie jetzt?
Endstand: 4 : 4
Windelweich geprügelt und voller blauer Augen bekamen wir also doch noch einen Punkt in den Rachen gestopft. Einer, der den Klassenerhalt sichern sollte. Eins der Teams unter uns, der SK Ludwigshafen, gewann tatsächlich sein Spiel und konnte mit uns gleichziehen (aufgrund der Brettpunkte aber nicht überholen). Uns bleibt also der geradesoreichende 6. Tabellenplatz.
Das Ganze war dann letztlich halb so wild, da kurz nach meiner traurigen Ankunft im molligen Heim die Nachricht kam, dass irgendeine Pappnasenmannschaft aus der Oberliga zurückziehen würde. Damit steigt der SV Worms nicht ab und uns hätte letztlich auch der 7. Platz gereicht. Hätten wir das nur gewusst, wir hätten ganz bestimmt anders gespielt. Vielleicht sogar aktiv. Ich weiß es nicht!
Lieber Gruß vom Ersatz-Berichterstatter (damit man heute wenigstens ETWAS gemacht hat)
(Verfasser: Torsten Lang)


